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Archiv für den Monat Oktober 2012

Der Haken an der von der Piratenpartei populär gemachten Schwarmintelligenz ist, dass es bekanntlich auch eine Schwarmdummheit gibt. Menschliches „Schwarmverhalten“ entsteht durch Nachahmung. Das kann man leicht testen, indem man in einer Menschenmenge plötzlich in die Luft schaut, als habe man etwas Außergewöhnliches entdeckt. Vermutlich werden es einem die direkten Nachbarn gleichtun, die dann wiederum ihre Nachbarn „anstecken“. Aus gleichgültigen Individuen wird eine erregte Menge, die in ihrer Konzentration auf das vermutete Ereignis vereint und nun anfällig für Gerüchte aller Art ist. Eine solche Gruppendynamik kann die vielfältigsten Formen und Stärken annehmen und gesellschaftliche Entwicklungen maßgeblich beeinflussen. Eine Garantie dafür, dass nur „vernünftiges“, moralisch akzeptables Verhalten nachgeahmt wird, gibt es nicht. Ein besonders drastisches Beispiel aus der jüngeren Geschichte für die potenziell destruktive Kraft einer erregten Menge oder eines aufgestachelten Mobs ist der Genozid in Ruanda.
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Viele Menschen wissen auch 11 Jahre später noch, wo sie am 11. September 2001 waren, als islamistische Terroristen in gekaperten Flugzeugen die beiden Türme des World Trade Centers in New York zum Einsturz brachten. Vielleicht liegt das am „heiligen Schrecken“, den solche Katastrophen verursachen und der sich in der paradoxen Doppelbedeutung „heilig“ und „verflucht“ des lateinischen Wortes sacer niedergeschlagen hat. Und der wohl auch für die irritierenden Äußerungen des deutschen Komponisten Karlheinz Stockhausen verantwortlich ist, der in einem Pressegespräch auf die Frage eines Journalisten nach seinen persönlichen Empfindungen zu den Attentaten nur fünf Tage später erklärte:

Also was da geschehen ist, ist natürlich – jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen – das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat. Daß also Geister in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nie träumen könnten, daß Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch, für ein Konzert. Und dann sterben. [Zögert.] Und das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. (Quelle: http://www.stockhausen.org/hamburg.pdf)
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