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Archiv für den Monat Juni 2012

Die mimetische Natur des Begehrens erzeugt Rivalität und Konkurrenz. Das ist ihre soziale Komponente. Sie hat jedoch einen weiteren negativen Effekt: Sie verleitet den Menschen, bevorzugt Dinge zu begehren, die schwer zu erlangen sind. Das ist ihre psychologische Komponente. Wie kommt es dazu? Schon als Kind machen wir die Erfahrung, dass unsere Wünsche mit denen anderer kollidieren – speziell mit denen unserer erwachsenen Vorbilder. Wir wollen alles haben, was sie haben, und alles sein, was sie sind. Zwangsläufig zeigen sie uns regelmäßig unsere Grenzen auf. Ihrer Autorität haben wir nichts entgegenzusetzen. Wenn sie uns mit Verboten überziehen, können wir machtlosen Geschöpfe das nur frustriert hinnehmen. Im Umkehrschluss erscheint uns das Verbot nach und nach als sicherster Beleg für den tatsächlichen Wert des Begehrten. Warum sollten uns die Erwachsenen etwas Wertloses vorenthalten? Das Hindernis wird so zur Voraussetzung des Begehrens: „Gewalt und Wunsch sind nun miteinander verbunden. Das Subjekt kann erstere nicht mehr erleiden, ohne letzteren erwachen zu sehen“ (René Girard, Das Heilige und die Gewalt, Fischer 1992, S. 218). >>> Weiterlesen

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