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Archiv für den Monat Januar 2012

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler bauet und schmücket der Gerechten Gräber und sprecht: Wären wir zu unsrer Väter Zeiten gewesen, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden an der Propheten Blut! So gebt ihr über euch selbst Zeugnis, daß ihr Kinder seid derer, die die Propheten getötet haben. Wohlan, erfüllet auch ihr das Maß eurer Väter!

Jesu Worte im 23. Kapitel des Matthäus-Evangeliums richten sich gegen die Gesetzeshüter der religiösen Gemeinschaft, der er selbst angehört. Sie sind auf den ersten Blick rätselhaft. Was ist falsch daran, den ermordeten Propheten Grabmäler zu errichten und sich von den Bluttaten der „Väter“ zu distanzieren? Der tiefere Sinn dieser Bibelstelle offenbart sich René Girard zufolge, wenn man sie im Kontext seiner anthropologischen Theorie vom Sündenbock liest. Dann kann sie auch zu einem besseren Verständnis des schwierigen Umgangs der Deutschen mit ihrer Vergangenheit beitragen, der sich in einem der größten Politikerskandale der Nachkriegszeit kristallisiert: der umstrittenen Rede des Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger zum 50. Jahrestag der sogenannten „Reichskristallnacht“.
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