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Archiv für den Monat Dezember 2011

Inmitten der Medienspekulationen, wie lange sich der wegen eines privaten Kreditgeschäfts in der Kritik stehende Bundespräsident Christian Wulff noch im Amt halten kann, macht der Politikwissenschaftler Franz Walter auf SPIEGEL ONLINE die interessante Beobachtung, dass Skandale dieser Art auch eine reinigende Kraft haben. Neben der berechtigten Überwachung des Handelns unserer Politiker scheine es darüber hinaus „ein anthropologisches Bedürfnis nach einem Ventil des Skandals zu geben.“ Skandale würden geradezu inszeniert, und zwar „nach dem Muster des Bühnenstücks, das Schurken und Helden kennt, Aufstieg, Ruhm und Fall darstellt.“ Walter geht dieser Beobachtung nicht weiter nach, obwohl sie weitreichende Konsequenzen hat. Wenn es tatsächlich ein „anthropologisches Bedürfnis“ nach Skandalen gibt, dann erscheint die Schuldfrage zwangsläufig in einem anderen Licht. Dann ist der Protagonist des Skandals, der „Übeltäter“, zumindest auch das Opfer einer gesellschaftlichen Dynamik, die ihre eigenen Interessen verfolgt. Doch wie erklärt sich diese Dynamik, und woher kommt genau die „reinigende Kraft“ des Skandals?
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In ihrem Artikel vom 8.11.2011 auf der Webseite des französischen Magazins L’Express bringt Christine Kerdellant die vielfach beschworene „Ansteckungsgefahr“ der gegenwärtigen Krise mit René Girards mimetischer Theorie in Zusammenhang. Sie stellt zunächst fest, dass „Ansteckung“ das Modewort der Krise ist. Das kann man bei einem Blick in die deutschen Medien nur bestätigen. „Eurokrise erfasst Versicherer. Aufseher befürchten Ansteckung“ meldet n-tv am 24.10.2011. „Ansteckung: Euro-Krise greift auf Osteuropa über“ heißt es am 14.11.2011 auf dem Online-Portal der Financial Times Deutschland. „Wir haben die Ansteckung im ganzen Euro-Raum“, wird Finanzminister Schäuble am 29.11.2011 auf der Webseite des Handelsblatts zitiert. Mit den Worten Kerdellants ist „Ansteckung“ ein wahres Schreckgespenst für die europäische Staatengemeinschaft. Die Autorin vergleicht die derzeitige Aufgeregtheit mit der Angst vor der Schweinegrippe, die so übertrieben wie kostspielig für die öffentlichen Finanzen gewesen sei.
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